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Orte und Szenen

veröffentlicht am 17.10.2005

[Erstmals im filmerforum veröffentlicht und für diesen Webauftritt vom Autor optimiert und aktualisiert.]

Das Wichtigste zuerst

Ortsangaben sollten immer so wage wie möglich sein. Dies gilt vor allem für relativ übersichtliche oder klischeehafte Handlungsorte.

Dazu zählen unter anderem 'normale' Wohnungen, Gaststätten, Gefängnisse, Marktplätze und Supermärkte.

Befinden die sich auf dem Mars, darf man schon ein wenig genauer werden.

Wenn die (Teil-)Szene nichts zur Aussage, Stimmung oder Handlung beiträgt, hat sie nichts im Drehbuch zu suchen! Jeder Drehtag kostet Geld und Nerven.

Keine Kamerafahrten, Blenden, Schuss/Gegenschuss-, nutzlose POV- und OSV-Aufnahmen oder -Effekte ins Drehbuch schreiben!

Auch establishing shots fliegen gnadenlos raus, denn jede Szene beginnt am Ort der Handlung…

Und nicht vor dem Gebäude, in dem das Stockwerk liegt, zu dem ein Fahrstuhl fährt, den Statisten benutzen, die dann an der Tür vorbeigehen, hinter der sich die Handlung entspinnt.

All dies läuft darauf hinaus, dass ein Drehbuch die Grundlage einer Verfilmung ist und nicht deren endgültige Version.

Es ist zwar 'unsere' Geschichte, letztendlich legen jedoch Regisseur und Kameramann die Kamerapositionen fest. Und dann ärgert man sich, wenn die super choreografierte Split-Screen-Sequenz nicht umgesetzt wurde.

Doch nun vom Allgemeinen zum Speziellen…

Überschrift und Beginn einer einfachen Szene

sehen so aus:

Oder so:

Man vermittelt dem Leser in den ersten Absätzen einen allgemeinen Eindruck von 'Land und Leuten' und wechselt so bald wie möglich zur Handlung.

Teilszenen in angrenzenden Handlungsorten werden hervorgehoben:

Im Normalfall überfliegt ein Leser allzu genaue Angaben. -- Diese hier ist so eine:

Im Gegensatz dazu ist die Angabe

nicht wirklich zu genau, schließlich ist die Kühlkammer ja ein neues Set; die Überschrift ist zu lang. 'Küche' kann man weglassen, denn diese Angabe versteht sich von selbst.

Ein ähnliches Problem taucht auf bei mehrräumigen Hotelzimmern. Die Lösung liegt auf der Hand: Man streicht das Wort 'Hotel'.

Wenn viele bzw. alle Szenen am gleichen Ort oder im gleichen Gebäude spielen, ist die Angabe des 'Oberbegriffes' überflüssige Bürokratie.

Szenen- und Positionswechsel

Sobald actiongeladene Szenen in dieser Form

und noch dazu seitenweise im Drehbuch stehen, springt der Leser schreiend im Dreieck. Vor allem, wenn die Ortsangaben völlig klar sind. (Wo soll denn die Limousine beispielsweise sonst fahren, als auf der Straße?)

Besonders anfällig für ein Chaos aus Überschriften sind Szenen, in denen die Figuren durch alle möglichen Ecken einer Stadt oder Gebäudes hetzen.

Drei Sonderfälle und ihre Lösung

Zwei Orte, ein Dialog

Es könnte ein Streit sein, der durch die Wand zwischen benachbarten Zimmern ausgefochten wird. Aber das bekannteste Beispiel ist das Telefonat.

Man leitet eine solche Szene am besten ein mit Überschriften wie

bzw.

Kurz wird beschrieben, wo sich die Gesprächspartner aufhalten; das Telefonat selbst gleicht einem 'normalen' Dialog.

Ereignisse um die Gesprächspartner herum werden als neuer Absatz gesetzt und, falls nötig, mit einem eindeutigen Kürzel eingeleitet.

Zeitsprünge

Kurze Szenen (bestehend wiederum aus etlichen Einstellungen) bilden eine geschlossene Erzähleinheit. Jede Szene bekommt hier eine eigenständige Überschrift, denn die Geschichte springt in Zeit und Raum vorwärts.

Das folgende Beispiel zeigt, wie man Szenensprünge einsetzt, um die Handlung voranzutreiben:

Das ganze Geheimnis besteht darin, die Szenen so effektiv wie möglich zu verknüpfen. Der Beginn der neuen Einstellung ist sozusagen die Pointe der vorigen.

ÜBERGANG
markiert einen 'fließenden' Szenenwechsel, während man mit

SCHNITT ZU
besonders abrupte Sprünge im Erzählfluss kennzeichnet. Der gute alte

SCHNITT
kommt immer dann zum Einsatz, wenn's nicht ganz so hektisch zugeht.

Diese Angaben sind (gemeinsam mit der Story, versteht sich) die einzig 'legale' Art, die Geschwindigkeit des späteren Filmes zu beeinflussen.

Eine Verfolgungsjagd

Selbst die fetteste Actionszene wird ganz schnörkellos eingeleitet.

bzw.

Merke: Man nutzt nur grobe Anhaltspunkte wie Gassen, Straßen und den obligatorische Marktplatz mit Restaurant, um die Szene durchschaubarer zu gestalten.

INSERTs von Gesprächsfetzen kann man bedenkenlos einstreuen, denn der Zuschauer sollte ja (ungefähr) wissen, wer in welchem Fahrzeug sitzt.

Tja…

Das ist auch schon das ganze Geheimnis flüssig zu lesender Drehbücher.

(Jedenfalls, wenn man mal von Story und Rechtschreibung absieht.)

 
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