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Fragen über Fragen zu Fiktionen

veröffentlicht am 04.05.2007

Wenn der Kampf tobt zwischen einer fliegenden Heldin und riesigen Robotern, wenn Häuserzeilen zerbröseln und Autos durch die Straßen wirbeln oder wenn eine Familie den Kauf des alten Anwesens bitter bereut und im Finale des Films durch Poltergeister oder andere Spukgestalten beinahe ausgelöscht wird … Dann kann es schonmal passieren, dass Zuschauer Schrankwand und Fernseher vergessen und sich ganz auf sprechende Bilder konzentrieren.

Unter Umständen reißt eine Fiktion ihr Publikum so stark mit, dass dieses den Charakteren Ratschläge zuruft. Doch egal, wie groß der Fremdschämfaktor des Gezeigten ist oder wie gern manche Zuschauerin verraten würde, wo der Mörder lauert - Der Held wird sich erst in dem Moment umdrehen, wenn seine SchöpferInnen es wollen. Also im Idealfall erst dann, wenn das Publikum völlig entnervt ist; ausgewrungen bis zum letzten Tropfen sozusagen durch eine Kombination aus schockierender Hilflosigkeit und echter Trauer um die betroffenen Figuren.

Doch von der Unmöglichkeit eines echten Einflusses auf die Handlung mal abgesehen, die selbst Computerspiele nicht bieten: Wieso wollen wir Welten beeinflussen, von denen wir wissen, dass sie erdacht sind?

Auf der anderen Seite der Vierten Wand stehen unter anderem die Schauspieler. Sie tun so, als wären sie die Charaktere und sind sich dessen bewusst. Und das vor laufenden Kameras und solange, bis alles stimmt. Sie haben Stuntdouble und Fußdouble und Brustdouble. Alle im Film gezeigten und alle an der Entstehung einer Fiktion beteiligten Personen werden bezahlt, damit sie die Illusion so glaubwürdig gestalten wie nur möglich.

Die Zuschauer wissen das und fiebern dennoch mit den Charakteren mit, die verfasste Dialoge sprechen, mit Modellflugzeugen abstürzen oder gegen Dinge kämpfen, die am Drehtag gar nicht am Set waren, sondern im Großrechner der Effektemacher.

Wer betrügt hier eigentlich Wen? Die FilmemacherInnen das Publikum, die Daten(über)träger ihre Nutzer oder das Publikum sich selbst? Was befähigt den menschlichen Verstand dazu, diese Lügen zu leben?

Warum gehen viele Millionen Bewohner der sogenannten Ersten Welt in erdachten Situationen auf bzw. ärgern sich über 'fehlerhafte' Illusionen (etwa über Filmfehler), statt sich mit realen Problemen zu beschäftigen? Und auch: Warum schaut der Großteil lieber einen kritischen Dokumentarfilm, statt selbst Misstände aufzuzeigen und abzuschaffen? Warum wird über die Tatsache berichtet, dass ein Film seine Kosten nicht eingespielt hat und kaum darüber, dass die Produktion dieses Films mehr gekostet hat, als in manchen Ländern für Bildung und soziale Projekte ausgegeben wird?

Wissen Sie die Antworten? Ich nämlich nicht.

 
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