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Bekanntes Grauen (3)

veröffentlicht am 18.10.2005

Normalität

Die meisten Filme beginnen in einem gewöhnlichen, bekannten Ort: Dem Wohnzimmer, dem Klassenraum oder der Raumstation.

Raumstation?!

Ja, ganz recht. Das Publikum hat durch Dokumentationen, Nachrichten, Comics und etliche andere Filme bereits ein grobes Bild von den abseitigsten Orten.

Darum funktioniert beispielsweise Star Wars so gut: All die Versatzstücke wirken auf den SF-Kenner familiär und erklären sich im Rahmen des Genres selbst.

Es ist doch logisch, dass sich in einer außerirdischen Bar jede Menge Aliens aufhalten. Statt also jede Lebensform zu erklären, wird dem Zuschauer die Normalität der Lage von Anfang an durch den Verzicht auf Erklärungen vermittelt.

In diese Normalität, so weit sie auch von der des Zuschauers entfernt sein mag, bricht das Problem ein.

Im Laufe der Handlung versuchen die Protagonisten nun, ihre Normalität wieder herzustellen, bzw. aus einer schlechten Gegenwart eine bessere Zukunft zu gestalten.

Anstoß und Triebfeder dieses Lösungsweges sind wiederholte Zwischenfälle mit dem trotz allem unüberwindbar scheinenden Problem.

Wiederkehr, Wiederholung und Eskalation

Seine Wirkung zieht der Horrorfilm, laut Schaub, in der Wiederholung und allmählichen Eskalation anfangs noch relativ normaler Probleme und Motive wie Verfolgung, Bedrohung, Ekel oder Verwirrung.

Die Kunst guter Horrorgeschichten besteht darin, das Problem in die bekannten Orte sozusagen einsickern zu lassen, damit auch abwegige Probleme plausibel erscheinen.

In Poltergeist deuten immer mehr Anzeichen auf die Existenz von Geistern im neuen Eigenheim der Familie hin.

Wenn Regisseur Tobe Hooper mit dem SFX-Hammer zuschlägt, ist der Zuschauer schon darauf eingestimmt, dass viele seltsame Dinge in diesem Haus passieren. Die Eskalation geschieht nicht so plötzlich, dass sie unglaubwürdig wäre.

Die angestrebte Lösung kann oft nur dadurch erreicht werden, dass sich die Methoden des Helden denen des Bösen annähern ODER der Held sich selbst überwindet.

Den Teufel kann man nur mit Exorzismus bekämpfen, Mörder (im Film) nur mit den eigenen Waffen, Gewalt mit Gegenwehr.

'Politisch korrekt' ist das zwar nicht, aber im Rahmen einer Erzählung oft der einzige Weg; Diskussionen selten eine Alternative… Die Hexe muss im Ofen enden.

Was das Publikum fürchtet

Der Erfolg eines Horrorfilmes hängt stets vom Publikum selbst ab… Von seinem Vorwissen und seinen Ängsten.

Ein Film kann technisch brilliant sein und dennoch versagen, weil der Zuschauer die geschilderten Probleme nicht versteht bzw. sie allzu leicht als billige Tricks entlarvt.

Die Furcht der Hauptfigur vor der Attacke eines Monsters etwa ist leicht nachvollziehbar. Manch umständlicher Welteroberungsplan eines B-Film-Superschurken hingegen ist es nicht.

Und auch, wenn die potentielle Fallhöhe für die Hauptfigur nicht hoch genug ist, wird das Publikum bestenfalls gleichgültig bleiben.

Was nicht heißen soll, das Probleme gleichbedeutend sind mit 'drohender Tod der Charaktere'. Aber zumindest einleuchtend sollten sie schon sein.

Und furchteinflößend.

Im Rahmen dieses Aufsatzes will ich von nun an, da halte ich mich an den Ton des Vorlesung, statt vom Problem lieber vom Unheimlichen sprechen.

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