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Joseph Kahn (2004)

Hart am Limit

Torque

Cary Ford ist einer, der nicht nur am Wochenende Motorrad fährt. Und er hat mindestens vier Probleme.

1) Seine Ex-Freundin will nichts mehr mit ihm zu tun haben, seit das FBI ihren Laden auseinandergenommen hat auf der Suche nach den Drogen, die Ford dort versteckt haben sollte.

2) Noch immer ist ihm Henry, der Anführer einer Bikergang, auf den Fersen, der seine Million in Drogen zurückbekommen möchte.

3) Ganz zu schweigen vom FBI.

4) Und einer weiteren Bikergang, die sich an unserem Helden zuerst nur wegen einer Ehrverletzung revanchieren wollen, aber Ford dank einem von Henry eingefädelten Mordkomplott auf ihre Todesliste setzen.

Stimmt genau, das kennt man inzwischen alles. Doch wider Erwarten bringt der vermeintliche Proletenfilm Torque (Drehmoment!) verdammt viel Spaß und ist einer der besten A-grade-B-Filme, den ich kenne.

Schade, dass weder der originale, noch der deutsche Titel diesem Film gerecht werden. Over the Top wäre angebrachter, denn das ist Torque tatsächlich.

In den Hauptrollen: Martin Henderson, Ice Cube, Matt Schulze, Monet Mazur und Jaime Pressly.

Da ich annehme, dass es Sie, werte(r) LeserIn, schockiert, wenn ich mal einen Film mit großem Budget, am Reißbrett entworfenen Nullcharakteren, ungeschlachtem CGI-Showdown und einer ADHS-gerechten Schnittfrequenz nicht schlecht finde, folgt nun eine Erklärung für diesen Sonderfall:

Zuerst einmal mag ich 'ernsthafte' Trashfilme. Nichts ist so schlimm wie ein Film, bei dem bereits auf dem Poster darauf hingewiesen wird, wie albern das kommende Spektakel sein wird, denn oft unterbieten gerade solche Filme die Erwartungen des Publikums.

Leider ist die Wahrscheinlichkeit groß, das Publikum zu verärgern, auf das solch ein Film vermeintlich(?) zugeschnitten ist. Das kann sich nämlich nicht zurücklehnen und die Show genießen, sondern ärgert sich über die absurden Stunts oder die albernen Dialoge.

Zum Fragezeichen hinter vermeintlich: Nicht immer wissen die Filmemacher genau, als was ihr Werk von den Zuschauern wahrgenommen wird, und behaupten gern später, dass der Film ja von vornherein als Parodie (oder was weiß ich was) ausgelegt war und nicht als Werk, das Fans des 'parodierten' Genres zufriedenstellt.

Dann gibt es noch Trashfilme, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob die nicht doch ernstgemeint sind. Dazu gehören Dreamcatcher, Mick, mein Freund vom anderen Stern und Rote Sonne. – Merke: Letztendlich entscheidet das Publikum, ob ein Film 'trashig' ist oder einfach nur schlecht.

Und da ich, das Publikum, entschieden habe, Hart am Limit als ernsthaften Trash zu bezeichnen, muss ich ihn auch mögen. Was zu beweisen war.

Erst vor kurzem habe ich einen Nachruf auf Russ Meyer angeschaut, in dem auf die Parallelen zwischen Meyers Stilmitteln und dem der Musikvideoregisseure hingewiesen wurde: Auf schnelle Schnitte, wechselnde Perspektiven, eingestreute Detailaufnahmen, männliche Testosteronspacken und starke Frauen (mit großen Brüsten).

Tatsächlich haben Joseph Kahn und Kameramann Peter Levy fast alle Punkte dieser Liste beachtet. Nur die Frauenrollen sind relativ klassisch und die Brüste klein.

Zum Beispiel darf Ford, nachdem sein Motorrad zertrümmert wurde, das Bike seiner Ex benutzen; sie rückt ohne Worte auf den Soziussitz. Man könnte das auch anders verstehen, aber ich fand ihr Angebot ziemlich passiv und 'fraulich'.

Die vier Frauen im torqueschen Filmuniversum sind zwar scheinbar emanzipiert und selbständig; ihr einziges Ziel im Leben scheint jedoch ein ebenbürtiger (männlicher) Partner zu sein.

So jedenfalls könnte man die Tatsache interpretieren, dass es in diesem Film wahrlich nur um Konflikte zwischen Männern geht: Die Frauen haben bereits ihren Traummann gefunden und würden wohl auch niemals der Partner wegen aufeinander eifersüchtig sein müssen.

Torque ist also kein moderner Faster, Pussycat! Kill! Kill!. Denn er handelt nicht von Bikerinnen, die ziemlich badass sind, und ihren Jungs, die sich erst zu Filmende hin mal kurz prügeln dürfen. Torque ist demnach nicht so fett, wie er hätte sein können.

Doch auch so schon enthält er genug Kalorien. Größtenteils jedoch in Form von eye candy. Wenn ich irgendwann mal krank im Bett liege, wird dieser Film einer von denen sein, die ich mir frame für frame anschaue, um ja alle Effekte und Kameratricksereien mitzubekommen.

LOLZ übrigens @ die Art, wie es sich der Protagonist mit der zweiten Bikergang verscheisst: Er und seine beiden Freunde liefern sich ein wildes Rennen. Sie fahren so schnell, dass ihr Fahrtwind den sich am Straßenrand ausruhenden Bruder des Bandenchefs Trey (Ice Cube) unsanft aufweckt. Und so weiter.

Selten war ein Drehbuchkniff so offensichtlich unoffensichtlich. Denn mit diesem kleinen Zwischenfall beginnt eine Handlung, die sonst wohl nur aus einer relativ öden Fahrt nach Los Angeles bestehen würde.

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