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Günther Meyer (1987)

Spuk von draußen

"Es wird einmal geschehen: Da werden sich in dem kleinen erzgebirgischen Städtchen Bärenbach seltsame Dinge ereignen…"

Die Elternteile der fünfköpfigen Familie Habermann bekommen unschlagbare Jobangebote von Bärenbachs Bürgermeister. Und da auch die Wohnungsfrage bereits geklärt ist, stimmen sie alsbald zu.

Zwar wird ihr neues Heim von den spleenigen Bärenbachern 'Spukhaus' genannt, doch Vater glaubt nicht an Gespenster und überzeugt Ehefrau und Nachwuchs von den Vorzügen der neuen Wohnstätte.

Nur ihr Untermieter, der alte Nussknackerschnitzer Rodenwald, benimmt sich verdächtig. Was hat er zu verbergen?

Die neunteilige Science-Fiction-Kinderserie berichtet von einer Berliner Familie, drei Außerirdischen, dem Roboter Rho-101, einem Filmteam und den Einwohnern Bärenbachs.

In den Hauptrollen: Wolf-Dieter Lingk, Madeleine Lierck, Maurice Zirm, Kathrin Bachert, Janine Demuschewsky und Hajo Müller.

Insgesamt kann Spuk von draußen mit meinen durch Kindheitserinnerungen hochgesteckten Erwartungen nicht mithalten. Nette Fernsehunterhaltung, schon klar. Aber nicht viel mehr.

Dennoch ist die Serie nicht nur als Dokument der DDR-Alltagskultur bemerkens- und erhaltenswert, sondern auch als rares Beispiel deutscher Science-Fiction.

Die Folgen:

Auch für die dritte Serie ihrer Spuk-Reihe verwoben Günther Meyer und Claus-Ulrich Wiesner Motive aus der Sagenwelt mit dem von kleinen Sorgen gepflasterten Alltag typischer DDR-Bürger.

Dabei versteht es sich von selbst, dass die Filmschaffenden ihre Meinung zur Staatssicherheit und politischer Lage außen vor ließen. Nichtsdestototz haben sich einige unfreiwillige(?) Anspielungen auf Praktiken der Führungsspitze und der Inneren Sicherheit eingeschlichen.

Vor allem die in und ums 'Spukhaus' verteilten Abhöranlagen, sowie einige Halbsätze der Film-im-Film-Crew fallen in dieser Hinsicht auf.

Die nachsynchronisierten Dialogszenen stören nur zu Beginn. Das liegt sicherlich am Unterschied zwischen deutschen Worten und deutschen Mundbewegungen, ist aber auf Dauer verkraftbar. (Und außerdem kann man eh nichts dagegen tun.)

Der Bürgermeister erinnert mich sehr an Picards Vater aus der "Sinnlos im Weltraum"-Folge Das fehlende Fragment und das liegt ebenfalls an der Synchronisation.

Stimmen, zum Dritten: Das Sächsisch der Einwohner ist echt so übel, wie man sich das vorstellt. Und reißt einen als irgendwie mit. Ich könnte fast schwören, dass bereits die erste Folge mein Hochdeutsch verschlechtert hat.

Zitat: "So 'Icke Dette' täten se sich schon abgewöhnen missen: Reines Hochdeitsch, das is unner Kampfziel!"

Opa Rodenwald / Hajo Müller ist ein Fels in der Brandung immer seltsamer werdender Ideen und Storywendungen.

Man nimmt ihm, wohl aufgrund seiner beindruckenden Ausstrahlung, alles ab: Den stillen Beobachter am Bärenperiskop, den Kurzschluss, dass er Küchensiebe in den Waldboden steckt,…

Mich würde übrigens mal interessieren, ob Müller auch im echten Leben seine Worte überbetont (hat?). Auch im 1990 entstandenen Film Olle Hexe setzt er nämlich den markanten Rodenwald-Sprachstil ein.

Typisches Zitat: "Tun Sie das Ihre, aber mich… lassen Sie aus!"

Ach ja: Der jump cut auf Rodenwalds Augen ist anfangs ungewöhnlich, wird jedoch insgesamt arg überstrapaziert.

Die drei Kinder sind klasse gecastet: Sie unterhalten und streiten sich ernsthaft. Und auch, obwohl Torsten seine Schwestern manchmal ganz schön herumkommandiert, nimmt man ihm das nicht übel. Wie leicht hätte das ins Auge gehen können…

Auch 'die Bärenbacher' und 'die Filmleute' machen ihre Sache gut. Selbst der – nun ja – Dorfdepp nervt nicht mehr als nötig und bleibt relativ glaubwürdig.

Leider sind nicht alle Charaktere und Storywendungen genauso glaubwürdig und verkraftbar. Die Obskuraner beispielsweise gingen mir größtenteils derbe aufs Schwein mit ihrer Verhaltens-Mixtur aus den Three Stooges und der Olsenbande.

Bei einer mehrstündigen Miniserie bleibt es nicht aus, dass der Erzählfluss streckenweise versiegt und mit Nebensächlichkeiten gefüllt werden muss. Trotzdem finde ich, dass die dringend benötigte Füllmasse nicht ausschließlich aus Verfolgungsjagden und Slapstick-Einlagen bestehen sollte.

Genau dieser Taktik hat sich das Autorengespann aber allzu oft bedient und das hat mich, ehrlich gesagt, extrem schockiert. Wohl, weil ich diese Zeitstrecker komplett vergessen hatte.

Es scheint zwar auf den ersten Blick recht albern zu sein, die Albernheit einer albernen Geschichte – Weltraumdatsche? Hallo?! – anzuprangern… Doch dieses billige Argument überzeugt nicht.

Denn zu viele zusätzliche Albernheiten sind immer kontraproduktiv: Sie reißen einen aus der Geschichte, mindern das Filmerlebnis und verschwenden die kostbare Lebenszeit der Zuschauer.

Der Grund für diese negative Auswirkung ist sicherlich, dass man bereits durch die pure fiction der ungestreckten Story an den Rand des Akzeptierbaren gedrängt wird und jeder weitere Schritt einer zuviel sein kann.

Nachworte:

Ich weiß nicht mehr genau zu sagen, welche Wiesner/Meyer-Kreation mehr Einfluss auf mich hatte: Spuk von draußen oder Spuk im Hochhaus.

(Die erste Serie der Spuk-Reihe, Spuk unterm Riesenrad, habe ich leider bisher immer verpasst. Ein möglicher Einfluss weniger.)

Jedenfalls weckten diese Serien mein bis heute anhaltendes Interesse an phantastischen Werken jeglicher Art. Und trotz vieler Schwachstellen ist und bleibt Spuk von draußen ein entscheidender Meilenstein in meinem von Autoren und Regisseuren beeinflussten Lebenslauf.

Es ist doch so: Ohne Spuk… gäbe es keine Willscheck.de-Website über fantasiereiche Filme und Bücher! Hier stünden vermutlich die Namen meiner Katzen oder ähnlich weltbewegende Dinge.

Aber auch auf die faszinierenden Gedankenspielereien der Prä-Astronautiker Däniken und Sitchin wäre ich ohne Opa Rodenwald und "die herrliche Obskura" wohl nie gestoßen.

Darum… Wo immer Sie jetzt auch sind, Herr Wiesner und Herr Meyer: Ich bin Ihnen auf ewig dankbar für diese Werke!

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