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John Carpenter (1978)

Das unsichtbare Auge

Someone's Watching Me!

Die Fernsehregieassistentin Leigh Michaels zieht wegen ihres neuen Jobs ins Hochhaus Arkham Tower um. Und wird alsbald von jemandem aus dem gegenüberliegenden Wohnblock beobachtet, beschenkt und belästigt.

Fürs Fernsehen produzierter Thriller, der beweist, dass Autorenfilmer Carpenter über kurz oder lang Genrefilmgeschichte schreiben musste.

Mit Lauren Hutton, Adrienne Barbeau, David Birney und Charles Cyphers.

Carpenters Verbeugung vor Hitchcock und dessen Fenster zum Hof ist so tief, dass er mit der Stirn beinahe den Boden berührt.

Sogar die inzwischen zum Studentenfilmkennzeichen verkommenen Hitch-Tricks jump cut und Vertigo-Zoom hat er verwendet; von den Techniken der Suspense-Erzeugung mal abgesehen.

Doch da einem seine Protagonistin und ihre Mitstreiter nicht ganz egal sind, funktioniert der Film trotz allzu offensichtlicher Hitchcockismen und auch trotz der hauchdünnen Story recht gut.

Jedenfalls funktioniert er für Zuschauer, die die Nerven aufbringen für einen strikten Thriller, der sich ohne Eile seinem unvermeidlichen Höhepunkt nähert: dem Endkampf zwischen Täter und Opfer.

Während Carpenter in Sie leben! die Konsum- und Mediengesellschaft als außerirdische Verschwörung 'enttarnt', in Assault entmenschte Straßengangmitglieder und hilflose Staatsbeamte zeigt, und in Escape from L.A. erneut gesellschaftspolitische Entwicklungen karikiert, lässt er in Someone's watching me ein Telefon klingeln.

Wer sich also mehr erhofft, als den Grundkurs Suspense 101, wird an dieser Geschichte keine rechte Freude haben. Höchstens vielleicht an einigen Kameraspielereien und Adrienne Barbeaus Frisur.

Denn anders als De Palma in seiner "Rear Window"-Variation Body Double präsentiert Carpenter in Someone′s watching me kein komplexes Abbild einer Kulturepoche, sondern nur einen strikten Thriller.

Und trotzdem… Bei näherer Betrachtung werden bemerkenswerte Handlungselemente offenbar, die für ein modernes Publikum nichts Besonderes mehr und darum leicht zu übersehen sind.

Der anonyme Stalker beispielsweise ist inzwischen eine feste Größe in Krimiserien, Horrorthrillern und dem echten Leben.

In den Siebzigern war das wohl noch nicht der Fall. Denn wenn die im Film geschilderten Reaktionen aller Beteiligten auf den unbekannten Anrufer realistisch sind/waren, wurde dieser Menschenschlag damals nicht als ernstzunehmende Bedrohung wahrgenommen.

Leigh Michaels ergeht es da genauso, wie dem Radiomoderator aus Clint Eastwoods Regiedebüt Play Misty for Me: Das Opfer selbst tut die Kontakte erstaunlich lange als ungefährlich ab, später reden Polizisten die Gefahr klein und letztendlich helfen nur noch Glück und große Fallhöhen.

(In Halloween hilft nicht einmal mehr Glück gegen die unbesiegbare Bestie in Menschengestalt.)

Auch die selbstbewusste Einstellung der Protagonisten zu ihrer Sexualität fällt auf:

Leigh wählt ihren Traummann selbst und der hat keine Probleme damit. Und ihre Kollegin ist offen homosexuell, 'warnt' Leigh sogar davor und freut sich über deren Desinteresse am (leidigen?) Thema.

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