Willscheck.de
 — 

RSS-Feed | Startseite | Filme | Bücher | Sachbücher | Zugaben | Weblog | Kontakt & Impressum | Willscheck @ Booklooker

 

Jack Starrett (1975)

Urlaub in der Hölle

Race with the Devil

Roger, Frank, Alice und Kelly fahren mit einem bungalowgroßen Wohnmobil durch die USA. Alsbald schon müssen sie um ihr Leben fürchten. Und das nur, weil sie sich die falsche Gegend ausgesucht haben, um ungestört zu campen. – Ein Actionthriller mit Horrorelementen, massig Blechschäden und in den Hauptrollen Peter Fonda, Warren Oates, Lara Parker und Loretta Smith.

Schade, dass bereits die Titelsequenz verrät, was ungefähr in diesem Film geschehen wird. Schade, dass darum auch Genreneulinge schon früh kapieren werden: In diesem Streifen haben es Satanisten auf arglose Urlauber abgesehen. Das alles finde ich deshalb schade, weil der Film selbst ziemlich genrefremd losgeht. Nämlich mit einem Motorradrennen, gefolgt von beinahe übertrieben lang inszenierten Urlaubsimpressionen. Das Publikum lernt die ProtagonistInnen als echte Menschen kennen und nicht als zukünftige Opfer, wie das bei anderen Thrillern und Horrorfilmen der Fall ist.

Das Ende des ersten Aktes gewinnt durch diesen dramaturgischen Kniff einiges an Schockwirkung. Zu diesem Zeitpunkt bekommt die bisher scheinbar ziellose Story einen Anstoß; aus dem Urlaubsfilm wird ein actiongeladener Thriller, bei dem es für die vier Helden um Leben und Tod geht. Doch auch die Plötzlichkeit, mit der Race with the Devil die Genre wechselt, ist nicht unüberbietbar. Der Schock säße tiefer, wenn das Publikum nicht bereits von Anfang an darauf warten würde, dass (endlich?) der Horror über die Urlauber hereinbricht.

Leider weiß ich keine Möglichkeit, wie man (zumindest im Spielfilmbereich), solch eine Kehrtwendung geheim halten könnte. Sollte man mit netten Bildern Zuschauer anlocken/abschrecken, nur, um allen so Angelockten mit einem totalen Buh-Effekt den Kinoabend zu versüßen/-sauern?

Die meisten Filmproduzenten und Studiobosse finden diese Idee dummerweise nicht so toll wie ich und geben Trailer in Auftrag, in denen alle guten Szenen und am besten noch die Auflösung zu sehen sind. Und Poster, die den Mörder verraten.

Aber nun zu etwas völlig anderem: Den Casting-Entscheidungen. Da wurden viele richtige getroffen. Ob nun Haupt- oder Nebenrolle, Gut oder Böse… Allein schon die Gesichter der SchauspielerInnen unterstreichen die Stimmung, die Race with the Devil vermittelt; unterstützen die paranoide Weltsicht der Protagonisten nach dem schockierenden Erlebnis im Hinterland. Den Charakteren und Zuschauern sind von vornherein selbst jene Gestalten suspekt, die ihnen noch Minuten vorher höchstens auf eine nette Weise skurril vorgekommen wären und wahrscheinlich noch nicht einmal das.

Nicht ganz so toll fand ich hingegen, dass die Frauen der Helden nur für Soundeffekte und Hektik sorgen durften und sonst zu nichts taugten. Sexismus ahoi! Und nein, ich glaube nicht, dass die Männer nur deshalb so hart gekämpft haben, weil sonst die weibliche Nutzlast beschädigt von Satanisten entführt worden wäre.

Hauptziel des (für 2008) angekündigten Remakes sollte also sein, diesen Zustand zu beheben. Entweder, die Frauen dürfen zumindest mal ans Steuer des Wohnmobils. Oder aber, die Motocrossfahrer werden gleich zum homosexuellen Pärchen umgeschrieben. Zweitere Möglichkeit gefällt mir persönlich besser. Denn sie würde nicht nur in der in einer Country-Kneipe spielenden Szene für Konflikte sorgen. Und um Konflikte geht es ja hauptsächlich in guten Filmen. Nicht (nur) um die Actionszenen.

Wobei einem Urlaub in der Hölle natürlich auch dank der finalen Actionszene im Gedächtnis bleibt: Der Verfolgungsjagd, bei denen es den Satansjüngern nicht mehr nur darum geht, die Flüchtenden einzuschüchtern, sondern darum, die unerwünschten Zeugen so schnell wie möglich zur Strecke zu bringen.

Oder war selbst die finale Hatz nur ein Ablenkungsmanöver? Nur dazu gut, die Reisenden zu ermüden und die Scheinwerfer ihres Wohnmobils zu zerstören, auf dass sie zu Filmende hin abseits des Highway den Schutz der Nacht suchen? Wer weiß.

Jedenfalls ist das Filmende derart unglaubwürdig, dass der restliche Film darunter leidet. Ohne diese ärgerliche, aber (leider) horrorfilmtypische "Sorry, aber uns ist nix anderes eingefallen"-Pointe wäre Urlaub in der Hölle beinahe perfekt. Schade.

Urlaub in der Hölle bei Amazon bestellen.

Suche nach Titel

Amazon.de
Amazon.co.uk
Amazon.com


… RegisseurIn

Amazon.de
Amazon.co.uk
Amazon.com

 
auf Willscheck.de
außerhalb

RSS-Feed | Startseite | Filme | Bücher | Sachbücher | Zugaben | Weblog | Kontakt & Impressum | Willscheck @ Booklooker