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Peter Jackson (2003)

Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs

The Lord of the Rings: The Return of the King

Kämpfe, Schlachten, Mobbing, Schizophrenie, ein Zauberer ohne nützliche Tricks, noch mehr Kämpfe und Schlachten, tolle Landschaften und CG-Heere… Das sind die Zutaten des letzten Teils der Herr der Ringe-Trilogie.

Wie immer mit Legolas(ter), Frodo, Aragorn, Sam, Gollum/Smeagol und vielen anderen (leider) unvergesslichen Charakteren Figuren.

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Tolkiens Bücher beeinflussten viele Autoren und sind verantwortlich für den Fantasyboom, wenn auch nicht das Genre selbst.

Doch Oldschool bleibt Oldschool, da nützen auch die besten Computertricks nichts: Der Herr der Ringe ist bereits so oft kopiert worden, dass Figuren und Handlung längst zum Klischee erstarrt sind; wirklich spannend nur für Leute, die das Genre Fantasy erst kennenlernen.

Denn zweifellos gibt es inzwischen ideenreichere Fantasyromane und Romanreihen von zahllosen Autoren wie Stephen R. Donaldson, George R. R. Martin, Alan Dean Foster, Karl Edward Wagner oder Fritz Leiber.

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Statt Sword and Sorcery zeigen uns Tolkien und (Peter) Jackson fast nur Sword; von leuchtenden Gefäßen und anderem Kleinkram mal abgesehen.

Gandalf etwa ist zwar Zauberer (bzw. Magier, was auch immer da der Unterschied ist), kämpft jedoch hauptsächlich mit Stock und Schwert. Und wenn es hart auf hart kommt, greift "Gandalf der Weiße" zu Billigtricks, die Hermine wohl schneller und besser hinbekäme.

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Das Ende, also das, was geschieht, nachdem der Ring eingeschmolzen ist, wurde zwar gekürzt, aber leider nicht genug. Die Szene, bevor Gandalf und Frodo ins Schiff der Elben (ein Elbkahn sozusagen) steigen, zieht und zieht und zieht und zieht und zieht und zieht und zieht sich endlos lange hin.

Nun ja… Ich bezweifle es doch stark, dass ich mir auch noch die um einige Szenen ergänzte Special Extended Longer Faster Harder Scooter Uncut De Luxe Edition mit Hologramm-Poster© anschaue: Bereits die Kinofassung ist mir eine Stunde zu lang.

Und ausserdem, lieber Herr (Peter) Jackson: Es ist NICHT IMMER ergreifend, wenn Figuren zu Beginn einer Szene etliche Sekunden lang ins Nichts bzw. die Landschaft starren und dann langsam "Im Morgengrauen werden sie angreifen!" oder so hauchen… Spätestens beim dritten Mal nervt's!

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An der Grenze des Ertragbaren sind auch die pathetischen Reden, die Aragorn und Konsorten halten, um die Soldaten vor den Schlachten aufzumuntern. ("Hallo. Hier spricht William Wallace!")

Und erst der Jubel nach den (natürlich langsam und leise) gehaltenen Ansprachen! Noch nie zuvor haben sich (Pixel-)Krieger so sehr darauf gefreut, von Pfeilen durchbohrt, Orks zerfleischt, Trollen und Drachen rumgeschmissen oder riesigen Elefanten zertrampelt zu werden.

Die meisten der fürs Gute kämpfenden Figuren haben in diesem Film nur Ehre und Treue und Heldenmut im Sinn. Diese Werte hören sich zwar toll an, sind aber doch recht nutzlos, wenn der ehrenhafte, treue Held fünf Minuten später in seinem Blut liegt.

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Leider sind die Effekte so verdammt teuer, sonst hätte das ZAZ-Team (Top Secret) längst eine eigene Version monumentaler Filme in Arbeit.

Sehr gut gelacht habe ich zum Beispiel, als Gandalf (in etwa) ruft "Was immer durch dieses Tor kommt… Wir weichen nicht zurück!" und dann das Tor von zwei gepanzerten Trollen (geschätzte Höhe: vier Meter) aufgerissen wird.

Wenn sich da einige Soldaten aus dem Staub machen würden ("Ähm, nee, lass mal. Ich hab ja noch Resturlaub."), wäre die Szene nicht gerade realistischer, aber doch näher dran am wahren Leben. Die Typen im Film hingegen sind ja alle sooo hardcore drauf, dass sie ohne zu Blinzeln auf die Kreaturen einstürmen. Und grausige Tode sterben.

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Und zuletzt noch einige der unfassbar dummen Momente des Films:

Statt, dass Gandalf die beiden Wichtel per Adlerpost direkt zum Vulkan befördert, müssen sich Sam und Frodo nach Mordor durchschlagen. Mit dem von Entzugserscheinungen geplagten Gollum als Reiseleiter.

Statt den offensichtlich gemeingefährlichen Smeagol sofort umzubringen, erschreckt Sam das Viech nur und verpatzt so seine einzige Chance.

Statt den verrückten Thronwärmer rauszuwerfen oder sicherheitshalber ins Gefängnis zu stecken, lässt Gandalf diesen gemeingefährlichen Kerl auf seinem Posten.

Statt irgendwelche Überzauber anzuwenden gegen die Angreifer und ihre Kriegsmaschinen, rettet Gandalf einen schwerverletzten Typ vorm Feuertod, während draußen dutzende gesunde Krieger pro Sekunde verrecken.

Frodo und Sam kämpfen (nacheinander) gegen eine riesige Spinne. Und gewinnen! Gegen eine Spinne, die so groß ist wie ein junger Elefant!

Ungezählte Orks und Uruk-Hai (oder so) bringen sich gegenseitig im Streit um. Diese Szene folgt der gleichen Logik wie eine typische Hollywoodfilm-Kneipenschlägerei: Keiner.

Minuten nach dem Streit: Die überlebenden (drei?) Bösewichte werden in die Tiefe gestoßen. Und zwar vom völlig ausgezehrten Sam, der bis eben noch treppab und treppauf gerannt ist.

Winzige Krieger bringen mit Pfeilen und Schwertern riesige Elefanten zu Fall (Hallo, Star Wars?!) und das Spektakel sieht aus, wie von Videospiele-Designern choreographiert.

Und so weiter, und so fort… Nicht wirklich toll.

Dann doch lieber Tolkiens Romane lesen. Oder gleich bessere. (The Chronicles of Thomas Covenant von Stephen R. Donaldson zum Beispiel. Oder die Kane-Romane von Karl Edward Wagner.)

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PS: Oh Mann! Jetzt weiß ich wieder, an wen mich Gollum erinnert hat, als er auf dem unsichtbaren Frodo 'ritt': An den Crazy Frog!

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