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John McNaughton (1986)

Henry - Portrait of a Serial Killer

Mord. Serienmord. Dazwischen eine aufblühende Liebe. Dies alles in verdammt realistischen, dokumentarfilmgleichen Bildern. So kommt Henry - Portrait of a Serial Killer daher und läßt den Zuschauer verwirrt zurück.

Am ehesten noch vergleichen läßt sich das Werk noch mit Taxi Driver. Aber nur fast. Die Gewaltexplosion dort ist der Höhepunkt einer sich immer mehr zuspitzenden Entwicklung; Henry-Regisseur McNaughton wählt einen anderen Weg.

Die ersten Morde geschehen, bevor der Zuschauer 'eintrifft'. Sie gleichen Fotos von Tatorten. Einzig die Tonspur vermittelt die letzten Sekunden im Leben der Opfer. Nur die Erwartungshaltung verbindet Henrys Heimweg durch Chicago mit den wie zur Ablenkung eingestreuten Bildern ermordeter Frauen: Der Typ hat all diese Frauen getötet!

Im Laufe des Films wandelt sich die Situation. Immer näher wird der Zuschauer an die Morde herangeführt: Sozusagen vom Polizeifotografen zum Augenzeugen und letzten Endes zum Mittäter.

Man kann jederzeit wegsehen und will es anfangs auch. Doch allmählich glaubt man, das Verhalten des Protagonisten (die Bezeichnung ist ein Witz im Zusammenhang mit dieser Hauptfigur) verstehen zu können…

Und deshalb fühlt man sich -- die Endcredits laufen nach etwa 80 Minuten -- mißbraucht, wie es wohl gleichermaßen beim ersten Sehen von Taxi Driver der Fall gewesen ist.

Henry hat keine Moral, kein wirkliches Motiv. Und das ist auch gut so. Denn dies macht den Film zu einem seltenen Meilenstein im klischeebesudelten Serienkiller-Horror-Thriller-Genre.

Nachgedanken:

»Zombies und Außerirdische? Pah! Aber DAS HIER könnte auch dir passieren!«, ist die Botschaft. Oder aber: »Die Wand zwischen Normalität und Wahnsinn ist wirklich dünn.«

Diese Besonderheit verwandelt Henry, Taxi Driver und Tobe Hoopers Blutgericht in Texas in wahre Horrorfilme. Sie schocken nachhaltig. Nicht mit Monstern oder Geistern, sondern mit realen Menschen.

Die Liste ähnlicher Filme ist ziemlich kurz im Vergleich zur 'Konkurrenz', ließe sich aber noch fortsetzen: Psycho, Halloween, Freitag, der 13te, Die Fratze, Das Schweigen der Lämmer, Citizen X

Slasher und Thriller Marke Scream, Der Knochenjäger oder The Cell mögen zwar hervorragend gefilmt sein…

Sie sind jedoch entweder Vehikel für Stars und Spezialeffekte ODER eine billige Art, dem Publikum Geld abzuknöpfen unter Zuhilfenahme folgender Formel:

All diese 'normalen' Serienmörderfilme wirken nicht langfristig. Warum? -- Darum:

Sie machen die Täter zum Gejagten und die Opfer/Ermittler zu Helden, ebenso sind die Motive der Täter meist zu weit hergeholt.

Der Zuschauer wird nicht geschockt oder verstört, sondern unterhalten und amüsiert durch Mord und Totschlag. Gewalt-Kitsch sozusagen -- der Tod als Popcornverkäufer.

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