Willscheck.de
 — 

RSS-Feed | Startseite | Filme | Bücher | Sachbücher | Zugaben | Weblog | Kontakt & Impressum | Willscheck @ Booklooker

 

Rick Bota (2005)

Hellraiser: Hellworld

Dreh- und Angelpunkt dieses Filmes ist ein "crazy, fucked up internet game" namens Hellworld, das anscheinend höllisch beliebt ist bei schlanken, trendigen und ungepiercten Collegekids.

Dieses Hellraiser-basierte Onlinegame wiederum hält einige Überraschungen für seine Stammspieler bereit. Zum Beispiel VIP-Einladungen zur geheimen Hellworld-Party, bei der es kein bisschen geekig zugeht.

Was die glücklichen VIPs nicht wissen: Sie sind einem raffinierten Racheplan zum Opfer fallen und sollen während der Partynacht sterben.

Hellworld ist eigentlich nur für Henriksen-Fans interessant. Und vielleicht noch für Menschen, die einfach jeden noch so überraschungslosen Teeniehorrorfilm gesehen haben müssen. "How is that for a wakeup call" für die Verantwortlichen bei Dimension Films?

In den Hauptrollen: Katheryn Winnick, Lance Henriksen, Christopher Jacot, Henry Cavill, Anna Tolputt und natürlich auch Doug Bradley.

Zum ersten Mal in der Hellraiser-Filmreihe existieren die Cenobiten und das würfelförmige Tor zur Hölle nur im Rahmen einer von Menschenhirn erdachten Storyline.

Irgendwie hat man Pinhead und Konsorten dann aber doch zu Cameoauftritten überreden müssen. Schließlich werden in diesem Film Morde begangen, die indirekt mit ihrer Höllenwelt zusammenhängen.

So kommt es, dass Doug Bradley billige Einzeiler aufsagt, während seine Gehilfen mit Mordwerkzeugen hantieren.

Eine weitere Premiere: Hellworld ist ein Teenie-Slasher in Reinkultur. Er muss sich darum gleichzeitig an der Qualität der eigenen Vorgänger und der Klassiker dieses Subgenres messen lassen, und enttäuscht in beiden Fällen.

Slasher sind ein kostengünstiges Filmgenre. Noch dazu bieten sie 'zielgruppengerechte' Figuren und Handlungselemente.

("It's all about death, death, death", würde Trickster wohl sagen. Und dabei unterschlagen, dass oft auch das Aussehen des Final Girls zum Erfolg eines Slashers beiträgt.)

Hellworld vermag dem Slasher-Genre zu keinem Zeitpunkt neue Impulse zu geben. Rick Bota spielt altbekannte Standardsituationen durch und versucht nicht einmal ansatzweise, gegen Randy Meeks' Slasherregeln zu verstoßen.

Kreativität wäre angebracht gewesen. Vor allem in Anbetracht der unzähligen Konkurrenzfilme, die jährlich in die Videothekenregale gespült werden.

Auch die Figuren und ihre DarstellerInnen vermögen den Film nicht zu retten: Bis auf den von Lance Henriksen verkörperten Gastgeber sind sie allesamt ziemliche Nervräuber.

Es ist leicht, für den Bösewicht zu stimmen, wenn einem selbst das Final Girl auf den Zeiger geht mit ihren Dummheiten.

Trotz ihrer scheinbar zentralen Bedeutung für die Handlung sind Würfel und Cenobiten letzten Endes austauschbar; die Hellraiser-Elemente sind fühlbare Mittel zum Zweck des Publikumsfangs. Denn zahlreiche Fans der Filmreihe werden auch diesen Streifen nicht übergehen können…

Nur, um fassungslos mitansehen zu müssen, wie Pinhead den Quotenschwarzen mit einem Fleischerbeil köpft.

Was habe ich geflucht über diesen stillosen Mord. Und mir eilig 'logische' Erklärungen zusammengesponnen.

Bestimmt waren seine Primärwaffen in der Reinigung. Oder aber, er war bloß zu faul, die Ketten wieder einzusammeln, nachdem er sie durch die Deaders gefeuert hat.

Wie falsch ich doch lag!

Der einzig plausible Grund für diesen und so ziemlich jeden anderen geistigen Flachköpper im Hellworld-Drehbuch erschloss sich mir erst während des wortreichen Showdowns und rettet den Film meiner Meinung sogar davor, wirklich schlecht zu sein:

Der Kopf hinter dem Mordkomplott ist ein Hellworld-n00b!

Achtung, die folgenden Absätze beinhalten massive Spoiler! Wer den Film noch nicht gesehen hat und Überraschungen mag, sollte unter keinen Umständen weiterlesen!

Nun gut. Los geht's.

Der Gastgeber der geheimen Party rächt sich an den Jugendlichen, weil die seinen Sohn Adam nicht früh genug von Hellworld ferngehalten haben.

Denn Adam hat sich so sehr in das Spiel hineingesteigert, dass er sich schlussendlich sogar umbrachte. Wohl, um in seiner eigenen Hölle zu sein.

Adams Vater wiederum hat Nachforschungen in der Hellworld-Community angestellt, sich so mit Infos über seine Sündenböcke versorgt, und ihnen später VIP-Einladungen zu einer alibispendenden Party zukommen lassen.

Seine Ehrengäste narkotisiert er bereits kurz nach deren Ankunft in der Villa und begräbt sie im Vorgarten. Zu Anfang sind sie noch nicht tot, sondern liegen bewusstlos in Särgen, die mit einer improvisierten Atemluftzufuhr ausgestattet sind.

In den Särgen befinden sich Mobiltelefone, durch die der Geiselnehmer den Jugendlichen Storyfetzen zuraunt, die deren Unterbewusstsein in Bilder und Handlungen verwandelt.

Erst im letzten Teil des Films wird offenbar, dass die vorher gezeigten Geschehnisse eigentlich nur relativ unabhängig voneinander 'stattfindende' Drogenträume waren.

Genau hier greift die weiter oben erwähnte Erklärung vom Newbie, die eigentlich viel eher ein Freifahrtschein ist für Drehbuchautor und Regisseur.

Egal, welch albernen und vorhersehbaren Kram sie dem Zuschauer präsentieren… Die Filmemacher trifft keine Schuld. Schließlich geben sie ja 'nur' die Alpträume der Kids wieder.

Und die wiederum basieren auf den einfallslosen Storyvorgaben eines mit Horrorgenre und Hellraiser-Kosmos unvertrauten Verbrechers.

Der Bösewicht weiß beispielsweise offenbar zwar, dass Pinhead aus der Hölle stammt und Menschen 'holt', hat aber keine Ahnung von Pinheads Waffengattung und Wortgewandtheit.

Auch 'weiß' er, dass bestimmte Situationen in jedem (Horror-)Film vorkommen und genau deshalb natürlich auch in diesem Fall unbedingt dazugehören.

Darum wiederholt er arglos noch die ödesten Klischees. Selbst das vom Schwarzen, der sich in einem Gebäude voller hellhäutiger Mädchen ausgerechnet an die einzige Gleichhautfarbige heranmacht.

Der Geiselnehmer übersieht dabei, dass keine Hellraiser-Story so vorhersagbar sein sollte wie die von ihm erdachte Pseudo-'Fan-Fiction', für die er sich ganz offensichtlich Anregungen in den "Nightmare on Elm Street"-Fortsetzungen geholt hat.

Ich kann nicht sagen, ob den Filmemachern der von mir beschrittene Lösungsweg überhaupt in den Sinn gekommen ist. Zumindest jedoch wird die Newbie-Theorie vom Filmdialog nicht eindeutig bestätigt.

Doch selbst wenn Rick Bota von diesem Freifahrtschein gewusst hätte… Er hätte ihn nie einlösen dürfen.

Es wäre ja auch ziemlich überheblich, seinem Publikum absichtlich beleidigend langweilige Horrorkost vorzusetzen und zu Filmende hin offenzulegen, warum das bisher Gesehene so unoriginell war.

Andererseits… Damit hätte man wohl den ironischsten Slasher ever geschaffen.

Nachgedanken:

Worum geht es bei Hellworld (dem Onlinegame) eigentlich? Müssen die Spieler tagtäglich feindliche Avatare in die Hölle zurückbefördern oder was? Ist es am Ende gar die spielerische Umsetzung des Hellraiser/Nightbreed-Crossovers Jihad?

Wenn ich schon einmal dabei bin: Warum unterhält man sich auf einem Treffen der Hellworld-Community nicht über Bestzeiten, Items und Punktestände, sondern tanzt zu mittelprächtiger Rockmusik und sucht nach willigen Bettgefährten?

Und überhaupt: Warum läuft auf der Party eigentlich kein technoider Remix des Christopher Young'schen Originalscores?

Hellraiser: Hellworld bei Amazon bestellen.

Suche nach Titel

Amazon.de
Amazon.co.uk
Amazon.com


… RegisseurIn

Amazon.de
Amazon.co.uk
Amazon.com

 
auf Willscheck.de
außerhalb

RSS-Feed | Startseite | Filme | Bücher | Sachbücher | Zugaben | Weblog | Kontakt & Impressum | Willscheck @ Booklooker