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Rick Bota (2005)

Hellraiser: Deader

Eine unerschrockene Enthüllungsjournalistin reist im Auftrag des Magazins London Underground nach Bukarest. Sie soll Material sammeln über die Deaders; eine obskure Jugendsekte, deren Beitritt den Untod bedeutet.

Vorhersagbar unvorhersagbare Horrorkost, die ohne Hellraiser-Elemente wenigstens nur verwirrend wäre und nicht zusätzlich noch eine Beleidigung für Fans der Reihe.

In den Hauptrollen: Kari Wuhrer, Paul Rhys, Georgina Rylance, Marc Warren und Doug Bradley.

Deader beginnt vielversprechend. Zusehends jedoch verfängt sich der Film in einem Geflecht aus Halluzinationen, Rückblenden und Traumsequenzen und schlägt lang hin.

Vielleicht wollte Rick Bota einfach nur möglichst viele visuell gut umsetzbare Einfälle miteinander verknüpfen. Das könnte durchaus sein, da er ja 'hauptberuflich' Kameramann ist.

Aber selbst wenn diese Vermutung zutrifft: Es ist ein billiger und verdammenswerter Trick, die Protagonistin in unlösbare Gefahren zu bringen und sie dann mit einem Fingerschnippen zu befreien.

Vor allem, weil Bota den gleichen Trick gefühlte vierunddreißig Mal in Folge anwendet und irgendwo auf halbem Weg mein Interesse und Mitgefühl für die Figuren auf Null schrumpfte.

Wenn ich schon mal bei billigen Tricks bin… Der finale Auftritt der Cenobiten ist doch wohl eine deus ex machina erster Kajüte, oder wie sehe ich das?

Würde mich ehrlich interessieren, wie das Ganze laut ursprünglichem Drehbuch abgelaufen wäre. Denn, richtig geraten, Deader basiert tatsächlich auf einem Non-Hellraiser-Skript.

Wahrscheinlich hätte die Reporterin den Sektenführer enthauptet (oder so ähnlich) und alle Anwesenden wären tot umgefallen.

So jedoch…

Blöder Showdown jedenfalls. Nicht nur, weil er schlecht umgesetzt wurde und die Cenobiten wortwörtlich dumm dastehen lässt, sondern auch, weil er unlogisch ist.

Sektenführer Winter beispielsweise wird wenigstens standgerecht zerrissen. Sprich: Sein Körper wird entwertet. Warum also seine Anhänger an Bauchverletzungen eingehen sollten, erschließt sich mir nicht so ganz.

(Fast scheint es so, als wären Pinheads strafende Ketten nur Symbole der tatsächlichen Gefangennahme. Oder aber, sie wirken auf Höllenflüchtlinge wie Giftpfeile.)

Und dann der unnütze Selbstmord der Heldin: Fährt sie für den denn nicht ebenfalls zur Hölle? Und warum unterlässt es Pinhead, ihren Freitod mit weiteren Kettenspielereien zu verhindern?

Na ja, auch egal.

Jedenfalls steht der grottige Showdown völlig im Gegensatz zur mitreißenden Szenenfolge gen Filmmitte, in der sich das Potential der Deaders-Grundidee offenbart: Amy Kleins Übertritt ins Totenreich.

Mit einem strikteren Drehbuch und ohne das Hellraiser-Franchise im Nacken wäre Deader sicherlich zum Emo-Cousin von Ghost - Nachricht von Sam geworden.

Das wäre dann zwar immer noch nicht perfekt, aber wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung.

Abschließende Bemerkungen:

Der Herausgeber sieht aus und benimmt sich wie der aus Cronenbergs Fliege und kommt trotzdem lebend davon. Und wenn auch nur, um kurz vorm Abspann einer lauen Schlusspointe die Hand zu reichen.

Unter amerikanischen Filmemachern hat sich schon lange herumgesprochen, dass man in ehemaligen Ostblockländern wie Tschechien oder Rumänien produktionskostengünstige Filme verwirklichen kann.

Das ist auch der Grund für die plötzliche Vorliebe fiktionaler Bösewichte, Fetischisten und anderer Nachtgestalten an osteuropäischen Nachtclubs, Abrisshäusern und Hostels.

Aber wer weiß denn genau zu sagen, ob es in Prag, Bukarest und Moskau nicht auch im echten Leben so krass abgeht, wie uns das aktuelle US-Genrefilme vorführen.

Steckt beispielsweise im Drehbuch zu Deader ein Fünkchen Wahrheit, dann verkehrt im Bukarester Untergrund ein Party-Train voller Untoter, die tanzen, ficken, Drogen klinken und sich tätowieren lassen.

Gegen solch 'abgefahrene' Locations kommt natürlich kein alteingesessener Szenetreff in New York oder Los Angeles an. Zumindest, wenn dessen einzige Hauptattraktion stinknormale bum fights oder Elvis-Burger sind.

Jetzt mal ernsthaft: Tätowieren! In einer fahrenden U-Bahn! Hoffentlich ist das Motiv nicht allzu filigran.

Abgebrühte Ermittler haben irgendwann mal ihre Mutter vorm besoffenen Vater beschützt. Da ist es nur logisch, wenn abgebrühte Journalistinnen als Kind regelmäßig vergewaltigt worden und ihren Daddy schließlich niederstachen.

Die Würfel tauchen überall auf. Wahrscheinlich ersetzen sie in der weltweit agierenden Bondagesnuffhorrorszene bereits seit Jahren den US-Dollar als Zahlungsmittel.

("Einen Lady-Di-Shake bitte." – "Okay, hier. Das macht dann eine Lament Configuration.")

Das würde übrigens auch erklären, warum jeder Depp die Würfel zu öffnen vermag. – Was ist nur aus dem "You solved the box, we came" vergangener Zeiten geworden?

Vielleicht liegt es ja an den von Hellworld-Spielern ins Netz gestellten Tutorials.

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