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Zack Snyder (2007)

Dreihundert - 300

Threehundred - 300

Dreihundert Spartiaten und einige andere Griechen, die nicht Krieger von Beruf sind, stellen sich dem persischen Heer entgegen. Die Situation ist auf lange Sicht vergleichsweise aussichtslos, doch König Leonidas bleibt gelassen. Zum einen, weil den Persern ihre Überzahl auf dem engen Schlachtfeld der Thermopylen nichts nützt, zum anderen, weil Leonidas' Frau derweil an der Heimatfront versucht, den Rest Griechenlands auf den Kriegspfad zu führen und die Dreihundert nur Zeit schinden wollen.

Ein Fantasyfilm im historischen Gewande. Mit Gerard Butler, Lena Headey, Rodrigo Santoro und jeder Menge Stuntdouble.

Im Vorfeld hatte ich dermaßen viel Schlimmes über 300 gelesen, dass ich durch den Film letzten Endes eher gelangweilt als aufgebracht wurde. (Merksatz: "Don't believe the hype!") Damit ihr wisst, welche Erwartungen ich hatte, zitiere ich im folgenden Text auszugsweise einen Kommentar, den ich am 9. April 2007 unter Einfluss negativer Kritiken ins Agitpopblog.org eingetragen habe und ergänze ihn durch noch mehr Text.

Ironische Brechung sollte auch nix sein, was unbedingt in einen Film gehört, der sich an mitdenkendes Publikum richtet. Aber da Blockbuster meist auf ein etwas stumpferes Standardpublikum zugeschnitten sind, sollten ihre Autoren und Regisseure ironische Elemente einbauen, damit man merkt, dass sie es nicht so meinen. Unter Umständen sollte dafür einer dieser "Die Mobile Infanterie hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin"-Momente ausreichen. So hingegen erfahren wir wohl erst durch Interviews und den Audiokommentar, ob es fair ist, vom im Film Gezeigten und Gesagten auf die Meinung seiner Macher zu schließen.

Außerdem entstehen Blockbuster gezielt. Es gibt Testvorführungen und so weiter. Wäre ja noch schöner, Geld aus dem Fenster zu blasen für einen Film, der nicht den derzeit herrschenden Geschmack bzw. Zeitgeist widerspiegelt und den Durchschnittsmenschen vor den Kopf stößt. Womit wir wieder bei der Ironie wären. Denn wenn die fehlt, sollte klar sein, auf welchen Menschenschlag solch ein Film hauptsächlich zugeschnitten wurde. Und auch, dass dieser Menschenschlag (inzwischen wieder?) groß genug ist, um den Film in einen Gewinnbringer zu verwandeln.

In dieser Forderung an fiktionale Werke steckt ein simpler Denkfehler, der die ganze schöne Theorie zunichte macht: Das Publikum eines Werkes besteht aus einer Menge Menschen mit ebensovielen Erfahrungsschätzen, Lebensläufen und Vorstellungen von Richtig und Falsch. Wer sich 'das Zielpublikum' als formbare Masse vorstellt, die jede noch so unethische Aussage eines Filmhelden zum Lebensmotto ummünzt, hat das Vertrauen in die Menschheit schon lange verloren.

Früher einmal, als Film ein neues Medium war, konnte man leichter mit filmischen Aussagen aufs Publikum einwirken – was ja Eisenstein und Riefenstahl auch getan haben. Heutzutage ist das wohl nur noch bei Menschen ohne Medienkompetenz möglich. Bei Menschen, die noch nicht dank Internet und Fernsehen und anderen Filmen und dem aktuellen Zeitgeschehen abgehärtet sind. Bei Menschen, die nicht wissen, dass die Begriffe Gut und Böse ziemlich schwammig sind. Die Helden des Einen sind die Mörder der Anderen, die Freiheitskämpfer einer Minderheit sind für die Mehrheit Terroristen und so weiter. Für Ironie gilt das Gleiche.

Medienkompetenz führt dazu, dass der gleiche Film von vielen Kritikern auf viele Arten gedeutet und auf etliche Arten zerpflückt werden kann. Einer lobt die Kameraführung, der zweite schimpft über pathethische Dialoge, der dritte ärgert sich über das faschistoide Weltbild. Und die vierte Kritikerin weist auf Parallelen zwischen dem Spartiaten/Perser- und dem Irak/USA-Konflikt hin. Wobei hier wiederum die Meinungen auseinandergehen, ob nun die Spartiaten die Rolle der US-Armee spielen oder nicht.

(Natürlich nicht! Schließlich sind es die Perser, die in rauhen Mengen übers Meer kommen, alberne Forderungen stellen und von einer kleinen Truppe Widerständischer ins Meer zurückgeprügelt werden, trotzdem sie eigentlich besser ausgerüstet sind.)

Ach ja, zu meiner [in einem anderen Kommentar gestellten] Frage die Parallelen zwischen 300 und Herr der Ringe: Ich kenne Millers Comic und habe Jacksons Trilogie gesehen. Und fand beide … Nun ja, riefenstahlig. Eisensteinig. Man könnte zuerst meinen, in den Werken wäre Optik wichtiger als Aussage. Doch eigentlich verweist der Stil ständig auf die Aussage oder wird gar selbst zur Aussage: Hässliche Wesen müssen zurückgeschlagen werden, weil sie sonst die Welt, eine Zivilisation oder was auch immer vernichten.

Und in Zeiten wie diesen ist es nicht schlimm, selbst zum Unmenschen zu werden, um die Menschheit/Menschlichkeit zu verteidigen. Da darf man auch schon mal mit MultiKills angeben oder Leichenberge errichten. Denn egal, wie pervers man sich gegenüber Feinden verhält; es sind ja nur gesichtslose Monster.

Stimmt schon, das alles. Aber ist egal, denn wie bereits erläutert: Nur noch wenige Filme haben die Kraft, ein Publikum dauerhaft mitzureißen. Schon gar nicht diese Comicverfilmung, deren optische Spielereien zwar nett anzuschauen sind, sich aber zu wenig von denen vergleichbarer Filme abheben.

Selbst, wenn – und das hat Zack Snyder in Interviews bestritten – 300 politisch bis ins Mark oder gar Kriegspropaganda wäre… Das Gezeigte ist nicht origineller als die Bildwelten älterer Schlachtengemälde und verliert durch seine photoshoppigen Bilder eher noch an Schauwert.

(Und da Schauwert gleich Aussage ist, leidet die Aussage darunter. Oder so.)

Wäre der komplette Film so überstilisiert gewesen wie die CGI-Scherenschnitte im Abspann, fände ich die Aufmerksamkeit berechtigt, die viele Kritiker der Optik dieses Films widmen. So hingegen sind die Bilder beileibe kein Schnellschuss, aber auch nicht so revolutionär wie im Vorfeld getan wurde.

Ach ja: Den verwundeten und getöteten Kämpfern sprüht endlos Blut aus dem Körper, löst sich jedoch kurz danach auf, statt das sandige Schlachtfeld in einen klebrigroten Sumpf zu verwandeln. Ich weiß nicht, ob genau dieser Effekt beabsichtigt war, aber das verschwindende Blut erinnerte mich ständig an ein entschärftes Computerspiel und hat ziemlich genervt.

Noch was: Wie lang der Film wohl ist, wenn alle Zeitlupensequenzen in Echtzeit ablaufen?

Und ganz zuletzt: Warum zum Geier hat Snyder dem henkernden Cenobiten keine eigene Kampfszene gegönnt? Oder kommt da noch was – irgendwann einmal, auf irgendeiner Special Edition? (Als ob mich das interessieren würde. Aber dieses Monster war jedenfalls cooler als der von den Persern ins Feld geführte Höhlentroll Uber-Immortal.)

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