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Sönke Wortmann (2006)

Deutschland. Ein Sommermärchen

Die deutsche Nationalmannschaft schafft es bei der FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2006™ bis auf Platz Drei, Wortmanns Kameraleute begleiten sie von Anfang an. Herausgekommen ist ein Imagefilm für die Nationalmannschaft. Und ein Filmerlebnis, das man nicht erlebt haben muss.

Welche Dinge machen nun aber genau die wohl beabsichtigte Wirkung des Film, nämlich eine dem Wunder von BRD gerecht werdende Dokumenatation, zunichte? Diese da:

3. Die Musik ist unfassbar schlecht gewählt. Wäre Sommermärchen ein Spielfilm, so würde er sicherlich von fußballernden Xavier-Naidoo-Fans handeln, die sich nur darum an die Tabellenspitze kämpfen, weil die Jungs wissen: Wenn sie es schaffen, dürfen sie gemeinsam mit ihrem Idol in Berlin auf der Bühne stehen.

Auch wurden die Stadiongeräusche während der Spielzusammenschnitte größtenteils durch einen Klingklongscore ersetzt, der ziemlich an American Beauty erinnert und durch seine Trägheit den Bildern ihre Kraft raubt. Ausgerechnet die Entscheidung zum kinotypischen Score verhindert, das jene Bilder mitreißen, die als einzige eines Kinofilms würdig sind.

2. Denn jetzt mal ernsthaft: Der übrige Film ist ziemlich durchschnittlich geraten und verrät nichts Neues über seine Protagonisten. Sie werden massiert, fahren im Bus von Hotel zu Stadion zu Hotel, verschlafen auch mal und müssen sich Dopingtests unterziehen. Jede Folge der Kickers ist spannender als dieses Big-Budget-Klassenfahrtvideo.

1. Wie bereits geschrieben, wird der Film dem Großereignis nicht gerecht. Warum? Weil das Sommermärchen nur aus kaum verknüpften Episoden besteht. Weil Wortmann keine Geschichte erzählt. Und weil er vergisst(?), dem Publikum die Spannungen inner- und außerhalb der Mannschaft vorzuführen.

Wortmann zeigt den Bundestrainer, wie er seiner Mannschaft vor jedem Spiel klarmacht, dass JEDER IM TEAM alles geben muss, damit Das Team dem Gegner gewachsen ist. Doch er stellt nie die Frage, warum Klinsmann diese Reden überhaupt immer und immer und immer aufs Neue halten muss.

Wortmann zeigt die geschockt wirkende Truppe nach dem Spiel gegen Italien. Aber fragt nicht nach, was genau für die verschwitzten Millionäre nun eigentlich solch ein Schock war und warum sie trotz Spielerfahrung so aussehen, als hätten sie gerade die erste Niederlage ihres Lebens erlitten.

Ebensowenig lässt er Spieler und Fans der gegnerischen Mannschaften zu Wort kommen. Und auch die schwarz-rot-goldenen Fans sind für Wortmann nur Schwenkfutter, denn er meinte wohl, sein Publikum versteht sofort, warum die Fans 'ihrer' Mannschaft zujubeln und keiner anderen.

Genau hier hätte ein Dokumentarfilmer angesetzt: Er hätte Fragen aufgeworfen, durch deren Beantwortung sich die Befragten dem Zuschauer offenbaren; hätte zum Beispiel gefragt, warum die Fans ihre Zeit und Energie nicht in nützlichere Dinge stecken; warum sie Fahnen kaufen, statt das Geld dem Roten Kreuz zu spenden; warum sie keinem Wissenschaftler zujubeln, sondern Kerlen, die nur in einem Kinderspiel gut sind.

Das hat Wortmann versäumt. Und so ist bei diesem Film nur eine einzige Szene gesellschaftskritisch:

Als ein Spieler die Bundeskanzlerin fragt, mit welchem Argument sie Leute mit Fußballereinkommen und drei Kindern zurück nach Deutschland locken würde, fiel ihr nur das Elterngeld ein.

Aber da läge die Höchstgrenze bei 1800 Euro und das Elterngeld wäre darum wohl auch kein Ansporn zur Rückkehr. Alle lachen. Deutschland, ein Sommermärchen? Wie man's nimmt.

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