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Doug Liman (2002)

Die Bourne Identität

The Bourne Identity

Der Mann, der im Meer treibt, ist bewusstlos und angeschossen. Doch nicht nur zwei Kugeln stecken in seinem Körper, sondern auch die Zugangsdaten für ein Schweizer Bankkonto. Zum Glück für ihn, denn Bourne, wie ihn der Filmtitel nennt, hat sein Gedächtnis verloren bei was auch immer ihn ins Meer beförderte.

Bis Bourne schließlich sein Gedächtnis und seine Identität wiedererlangt, muss er sich und seine Zufallsbekanntschaft Marie vor etlichen Attacken in Europa stationierter CIA-Killer schützen.

Ein leidlich spannender, auf dem gleichnamigen Roman von Robert Ludlum basierender Agentenfilm mit Matt Damon, Chris Cooper, Franka Potente, Clive Owen, Brian Cox und Julia Stiles.

Die Bourne-Identität ist einer dieser Filme, bei denen ich mich frage, was sich Autoren, Regisseur und Geldgeber gedacht haben, als sie das Werk schufen. Denn der Streifen funktioniert einfach nicht. Oder anders gesagt: Doug Liman und seine Hintermänner lassen nie durchblicken, womit genau sie nun das Publikum bei der Stange halten wollten.

Sollen die Zuschauer etwa dabei mitfiebern, wie Bourne allmählich erkennt, wer und was er ist? Dann hätte Liman mal lieber auf die Gegenschnitte ins CIA-Gebäude und die sich dort entspinnende Nebenhandlung verzichten sollen. Diese Szenen verraten nämlich Bournes Mission, lange bevor der Unwissende selbst darauf kommt.

Und wenn Bourne rafft, dass er Bourne und noch dazu ein Agent ist, hinkt er dem Wissen des Publikums eine gute dreiviertel Filmstunde hinterher. Das ist nicht spannend, sondern albern.

Ich habe ständig damit gerechnet, Bourne würde zunächst eine ähnlich absurde Erklärung für seine Fähigkeiten finden, wie die Heldin aus Renny Harlins Tödliche Weihnachten. "Köche können das." oder etwas in dieser Art. Fehlanzeige: Unser Held ist ein Nixblicker, wenn es ums Beruferaten geht.

Nur mal angenommen, ihr würdet aus dem Meer gefischt werden mit Schussverletzungen und einem Hightech-Implantat, das sich alsbald als Schlüssel zu Reisepässen, Bargeldbündeln und einer Schusswaffe entpuppt… Würde euch nicht spätestens bei der Mischung aus Meerwasser, Wunden und Gimmick ein Licht aufgehen?

Auch die Beziehung zwischen Bourne und Marie Helena taugt nicht viel zur Spannungserzeugung. Ich maße mir die Behauptung von der unstimmigen Chemie zwischen Potente und Damon nicht an, das sollen die kritisieren, denen etwas derartiges aufgefallen ist.

Mir hingegen ist übel aufgestoßen, dass die Anwesenheit Marie Helenas einzig dem Zweck diente, dem Zuschauer die Gedankengänge und Entscheidungen Bournes zu übermitteln. Wo Brian de Palma Bilder sprechen gelassen hätte, hat Liman den Weg des geringsten Widerstandes gewählt: den Dialog zwischen Held und Anhängsel.

Beispielsweise zeigt Liman nicht etwa, wie Bourne beim Betreten einer Raststätte mit scheinbar beiläufigen Blicken die Gäste auf Feinde und das Gebäude auf Fluchtmöglichkeiten absucht. Nein, er vergeudet all dies an die Tonspur der Szene, in der Bourne und Marie bereits in der Raststätte zu Tisch sitzen.

Letzen Endes hatte Franka Potente wirklich Glück, dass niemand ihre Nebenrolle gestrichen und Jason Bourne stattdessen mit einem Diktiergerät ausgestattet hat.

Ach ja, apropos Darstellerverschwendung: Was genau haben eigentlich Julia Stiles und der Gehilfe des CIA-Bösewichts zu diesem Film beigetragen? Jeder Drehbuchdoktor rät doch, unnütze Figuren wegzulassen. Warum also sind Stiles ('Nicky') und der Typ mit dem tollen Rollennamen 'Research Tech' dabei? Die nehmen den lieben langen Film lang nur Anrufe entgegen und tun genausowenig zur Sache wie Bournes Weggefärtin. Schwenkfutter mit Dialogzeilen.

(Antwort: Es könnte damit zusammenhängen, dass sie in der Fortsetzung größere Rollen spielen werden. Was ich nicht beweisen kann, da ich diese noch nicht gesehen habe.)

Wenn Stiles/Nicky wenigstens den letzten Schuss des Films hätte abfeuern dürfen. Sozusagen als Initiationsritus; als Grund für die Beförderung von der CIA-Telefondame zur CIA-Killerette. Aber nein… Sie steht bloß herum.

Noch nicht einmal die Bilder des Films reißen einen aus dem Sessel. Ein bisschen Wackelkamera hier, ein paar unpassende Bildeinstellungen da. Das übliche halt. Schade auch um die Verfolgungsjagd durch Paris, die dank schneller Schnitte und öder Kamerapositionen sämtliche Erwartungen untertrifft. (Man vergleiche nur mal diese Szene mit denen aus Ronin.)

Ebenfalls aufgestoßen sind mir die aussagelose Farbkorrektur, das ebenso aussagenlose Spiel mit der Farbe Rot… Und, dass der Protagonist ziemlich god- bzw. bondlike ist, minus den Ironiefaktor.

Empfehlen kann ich die Bourne-Identität eigentlich nur Leuten, die sich von Agententhrillern ungern überraschen lassen. Und natürlich denen, die mit eigenen Augen sehen wollen, wie

a)
… Franka Potente Auto fährt und dabei nie länger als zwei Sekunden auf die Straße blickt, weil sie sich mit dem Protagonisten unterhält.

b)
… einer der Profikiller MP-Salven schießend durch ein Hotelfenster hereinschwingt, von Bourne mit einem Kugelschreiber kampfunfähig gestochen wird und darum Selbstmord begeht. Indem er sich aus einem anderen Fenster stürzt.

c)
… Clive Owens stummer Charakter, 'der Professor', doch noch spricht.

Moment mal! Letzterer Drehbuchkniff war garnicht soooo schlecht. Ein wenig altbacken vielleicht, aber einer der seltenen Hinweise auf das ungenutzte Potential der Geschichte von Bourne, seinem Berufszweig und dem Kampf zwischen Auftrag und Menschlichkeit.

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