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Brian Keene (2003)

Das Reich der Siqqusim

The Rising

Jim ist sich bewusst, dass die Chance lächerlich gering ist, Danny lebendig wiederzusehen. Dennoch macht er sich auf den Weg zu seinem Sohn. Quer durch die von dämonenbesessenen Leichen überrannte USA zum von diesen blutrünstigen Geschöpfen überrannten Haus seiner Ex-Frau. Ein Roadtrip durch die Apokalypse, der erst im Fortsetzungsroman City of the Dead endet.

Wer auf englischsprachigen Taschenbüchern Sprüche wie »A top-notch, horrifying thriller!« liest, darf denen nicht immer Glauben schenken. Was keinesfalls bedeutet, dass Lobpreisungen wie diese gekauft sind. Aber manchmal sind sie halt arg überzogen.

(So etwa ist und war '48 keinesfalls James »Herbert's Best Horror Thriller Yet«, liebe Daily Mail. Dieser Roman ist meines Erachtens nach kein Horror-Thriller und schon gar nicht Herberts bester.)

Richard Laymons Urteil zu The Rising hingegen stimme ich zu. Denn dieses Buch ist tatsächlich gleichzeitig Erstklassig und Erschreckend. Beides mit großem E. Was vor allem daran liegt, dass Brian Keene George A. Romeros Spielregeln variiert, statt sie sklavisch zu befolgen. Oder, um eine anderes high praise zu zitieren: »Brian Keene has given zombies their next upgrade.«

Was soviel heißt wie: Keene präsentiert eine verflucht harte Endzeitvision, in der Dämonen dezimiert wird, die aus ihrer eigenen Hölle in die Körper verstorbener Wirbeltiere hinüberwechseln und sich dadurch zum Einen an der Menschheit und zum Anderen an Gott rächen, weil Gott sie damals der Menschheit wegen ins zeitlose Irgendwo verbannt hat.

Whoa, halt mal. Gott? Dämonen? Ja, genau die! Brian Keenes zweiteiliger Horrortrip basiert auf Geschöpfen der Glaubens-Popkultur. Keine Ahnung, ob wirklich gläubige Leser sich aufgrund dieses zentralen Storyelements die Hosen vollfürchten und ob es wirklich atheistischen Lesern den Zugang zum Roman unmöglich macht. Von wegen suspension of disbelief und so.

Jedenfalls ist das mit dem (Un-)Glauben an überirdische Bedrohungen ist ein weites Feld, auf dem Doktorarbeiten angebaut werden. Es scheint auf jeden Fall so zu sein, dass Leser und Publikum selbst den abstrusesten Quark als Storyantrieb akzeptieren, wenn er 'wissenschaftlich' genug präsentiert wird bzw. als einzig 'logische' Erklärung für erdachte Ereignisse übrigbleibt.

Wer Science-, Weird- und artverwandte Fiction liest, glaubt zwar nicht automatisch an unsichtbare Drachen in der Garage, ist sich aber der winzigen Möglichkeit bewusst, dass es sie eben doch geben könnte. Und dass sie die Menschheit hassen!

Außerdem: Es könnte doch sein, dass sich Wesen aus einer Dimension des Schmerzes oder so ähnlich für gottgestrafte Dämonen halten, weil ihnen die wissenschaftliche Perspektive fehlt.

Im Zweifelsfall gilt der altbekannte Leitspruch »Seltsam? Aber so steht es geschrieben«, der selbst die albernste Geschichte mit einem Hauch von Glaubwürdigkeit umgibt.

Darum war ich vom religiösen Hintergrund der Romane nicht genervt. Stattdessen habe ich mich ein bisschen darüber geärgert, dass die Charaktere ab und zu nur dank eindeutig dem Autor geschuldeten Zufällen davonkommen. Besonders in City of the Dead spielt Glück eine viel zu entscheidende Rolle. Was natürlich wiederum nur beweist, dass jede erdachte Realität nicht nur auf mehr oder weniger intelligentem Design basiert, sondern eindeutig gott-/autorgelenkt ist.

Trotzdem kann ich beide Romane bedenkenlos empfehlen. Jedenfalls denen, die literarisch gern mal durch knietiefen Tod waten und in dieser Hinsicht schon so Einiges gewohnt sind.

(Eine Entwarnung am Rande: Gott taucht in keinem der beiden Romane auf. Er wird jedoch häufiger erwähnt als in anderen Endzeitromanen.)

Die im zweiteiligen Roman aufmarschierende Bedrohung trägt den Namen Zombie-Armee (beinahe) zu Unrecht. Denn Keenes 'Zombies' sind keine Untoten, die vom Hunger nach Menschenfleisch/-gehirnen angetrieben werden wie ein Billigspielzeug von Knopfzellen. Nein, sie sind Fleischpuppen für Dämonen. Waren früher beseelt und sind nun besessen.

Und ihre jetzigen Besitzer scheren sich einen Dreck um deren Unversehrtheit. Wird ein Wirtskörper zerstört, transferiert das den Dämonen in einen anderen frischen Leichnam, den er steuern und (ab)nutzen kann. Es versteht sich von selbst, dass die Dämonen auf das Wissen ihrer Verkleidung zugreifen können.

Während klassische Zombies die Lebenden sozusagen aus Versehen an Freunde und Verwandtschaft und Menschlichkeit erinnern, nutzen Keenes Unwesen ihre Maskierung bewusst, um Menschen in die Irre zu führen und in den Wahnsinn zu treiben. Diese Kreaturen ähneln dem fluchenden Mädchen aus dem Exorzisten und schlurfen nicht nur stumpf durch die Landschaft.

Als wären diese Übel nur Kleinigkeiten, kommt hinzu, dass die Dämonen auch in andere tote Wirbeltiere fahren. Mit dem Ergebnis, dass die Romanhelden sich unter anderem mit Hunde-, Ratten- und Vogelleichen herumschlagen müssen.

Der Fakt, dass nur Wirbeltierleichen zu Wirtskörpern werden können, verweist übrigens ebenfalls auf den Autor. Brian Keene wird sich gedacht haben, dass es unmöglich wäre, die Geschichte auf über zwei Taschenbücher zu strecken, wenn zusätzlich noch besessene Insekten und Spinnentiere über die Menschheit herfallen. Oder Regenwürmer.

Ach ja: Die Bedrohung ist, wie fast immer in Werken dieses Subgenres, Mittel zum Zweck. Jedenfalls nehme ich mal an, dass der zweiteiliger Roman nicht bloß aus Versehen menschliche Schwächen und Stärken aufzeigt und auf die Gefahren von zuviel Macht und zuwenig Menschlichkeit hinweist, sondern in diesem Punkt ebenfalls* auf Romeros Zombie(film)gesetzen aufbaut.

*(§ 1: Untote 'sterben', wenn ihr Gehirn zerstört wird. § 2: Du sollst mit deinem Werk den aktuellen Zeitgeist einfangen.)

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