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Brian Keene (2006)

Die Wurmgötter

The Conqueror Worms

Teddy Garnett ist ein einsamer alter Mann. Er hat nicht nur alle seine Familienmitglieder überlebt, sondern vermutlich so ziemlich alle Menschen, die die Erde bewohnt haben. Denn vor einigen Wochen hat es angefangen, zu regnen und seitdem hat es nicht wieder aufgehört. Der Grund dafür? Gottes Zorn? Könnte sein.

Rasante Endzeitfiktion im Stil von John Wyndhams Wenn der Krake erwacht (The Kraken Wakes, 1953), nur mit mehr mythologischem bzw. religiösem Unterbau und weniger Wissenschaft.

Packend fand ich Keenes Wurmgötter (abgesehen vom Erzählstil) hauptsächlich aus drei Gründen, die ich – man ahnt es bereits – jetzt der Reihe nach durchgehe. Wobei ich nicht sagen könnte, welcher Grund der wichtigste ist.

Also, zuerst einmal mag ich es, wenn die Charaktere 'logische' Erklärungen für die absurdesten Begebenheiten präsentieren. Ich, der Leser, weiß schließlich um die Unglaublichkeit der Gefahren und erwarte (jedenfalls von zeitgenössischen HeldInnen), dass sie nach einleuchtenden Deutungen der sich ihnen in den Weg stellenden Schrecknisse suchen.

Sind die Zwischen- und Endgegner wirklich Leviathan und Behemoth? Oder heißen sie Cthulhu oder Dagon? Vollkommen egal! Sie sind reale Bedrohungen, die so unfassbar monströs sind, dass es letzten Endes nur wertvolle Lebenszeit verschlingt, lange über Herkunft, Namen, Gattung und Art zu palavern.

Dennoch: Keenes Figuren ziehen biblische und popkulturelle Phänomene als Erklärung heran, da Wissenschaft allein nicht weiterhilft. Wäre ich an ihrer Stelle, würde ich wohl vergleichbare Schlüsse ziehen, obwohl ich normalerweise ziemlich ungläubig bin. Und zwar deshalb, weil eine Erklärung, auch die fadenscheinigste, und/oder der Glaube an Gott und das Gute jeden Menschen ein Stück weit beruhigt. Und unter Umständen sogar verhindert, dass er sich vor Verzweiflung umbringt.

Womit ich schon beim zweiten, gewichtigeren Grund meines Beeindruckseins von diesem Buch wäre: Der wertvollen Lebenszeit. Von der hat Teddy Garnett nämlich nicht mehr sehr viel. Er ist ein alter Mann. Sein Körper ist nicht mehr zu allem fähig, was der Geist ihm befiehlt. Teddy weiß, dass er eher früher als später sterben wird. Daran müssen ihn keine unglaublichen Lebensgefahren erinnern, dazu braucht er nur in den Spiegel zu schauen. Ironie des Schicksals, dass sein Körper bereits vor dem Ableben von Würmern begehrt wird.

Der Großteil der Horror-ProtagonistInnen sind entweder junge Menschen oder Personen mittleren Alters. Figuren also, die erst durch die oft titelgebende Bedrohung – etwa Ratten, Frösche, Dämonen und Highwaykiller – mit dem Tod konfrontiert werden. Hauptdarsteller im Rentenalter sind eine Seltenheit. Dabei ist es meiner Meinung nach viel interessanter, von Rentnern zu lesen, die ihr bisschen Restleben verteidigen; die lieber eines natürlichen Todes sterben statt im Magen eines Monsters.

'Rüstige Rentner' wie Teddy Garnett beeindrucken mich mehr als jedes final girl. Wohl, weil solche Figuren mir, dem jungen Leser, zeigen, wieviel Mumm noch in alten Knochen steckt. Weil Rentner auf den ersten Blick weniger zu verlieren haben als andere, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben, und die deshalb ruhiger an die Sache herangehen können. Und auch, weil die Autoren, die sich alter Protagonisten bedienen, ihre junge Leserschaft mit der unausgesprochenen Frage konfrontieren, welcher Tod vorzuziehen ist: Selbstmord, hilfsbereiter Opfertod oder sanftes Entschlafen.

Der dritte Grund verweist auf die ersten beiden zurück. Denn Keene fährt in diesem Roman (erneut) Bedrohungen auf, die nicht nur unglaublich sind, sondern auch unbesiegbar mächtig. Der Dreikampf gegen Sintflut, dämonenbesessene Mitmenschen und monströse Weichtiere ist nicht zu gewinnen. Beziehungsweise nur durch Zufall, weil ja, wie geschrieben, niemand genau weiß, welcher Art die Bedrohung ist. Also gilt es, mit dem Leben davonzukommen, während die Monster anderweitig beschäftigt sind.

Brian Keene wirft seine ProtagonistInnen so gut wie unbewaffnet in den Ring. Und wir, die Leser, können nur wetten, wie lange die einzelnen Figuren durchhalten.

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