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Norman Spinrad (1972)

Der stählerne Traum

The Iron Dream

Adolf Hitlers Science-Fantasy-Roman Herr des Hakenkreuzes (Lord of the Swastika, 1953) schildert den ruhmreichen Aufstieg des Neubürgers Feric Jaggar zum rechtmäßigen Herrscher über Heldon und Jaggars Kampf um die Rassereinheit des heldonischen Volkes.

Versteht sich von selbst, dass Hitler seinen Helden mit all jenen Attributen ausgestattet hat, die einen Führer auszeichnen: Jaggars Ideen und Taten sind stets unfehlbar. Seine genetische Reinheit ist unübertroffen. Sein Geist ist stark genug, um den Dominanzmustern verschlagener Staatsfeinde zu widerstehen. Und als letztes, aber nicht zuletzt, ist Feric Jaggar der Einzige, der den sagenumwobenen Großen Knüppel schwingen kann.

Damit die Leserschaft die Entstehungsgeschichte des Romanes und die ihm zugrunde liegenden Ideen nachvollziehen kann, wird er umrahmt von einer »Über den Autor« betitelten Kurzbiographie und einem kritischen »Nachwort zur Zweiten Auflage«, verfasst von Homer Wipple. Wipple ist es auch, der vom Roman die geistige Verfassung des Autors schließt. Er findet das in diesem Fall nicht verwerflich, denn Herr des Hakenkreuzes ist der Schreibweise und Themenwahl nach Trivialliteratur der übelsten Sorte.

Die meisten werden es schon geahnt haben: Norman Spinrad hat sich einem SciFi-Allgemeinplatz bedient – der Parallelwelt – und von dort Hitlers Roman samt Vor- und Nachwort mitgebracht, um aufzuzeigen, wie ähnlich sich das tatsächliche Weltbild der Nationalsozialisten und die fiktiven Zustände in vielen Genre-Geschichten sind.

Vom Stil her vergleichen lässt sich Spinrads – in Deutschland anfangs sogar indiziertes – Werk Der stählerne Traum am ehesten mit Paul Verhoevens Starship Troopers. Unter anderem der wortwörtlichen Umsetzung des beliebten Propaganda-Kniffs, den Kriegsgegner als Ungeziefer darzustellen wegen.

Aber vor allem, weil beide Geschichten auf Bildungsstand und ethische Grundhaltung der Leser/Zuschauer vertrauen. Einerseits taugen sie nämlich als Predigt für die Bekehrten, andererseits aber leider auch als faschistischer Wunschtraum. Denn erst durch das Wissen um den realen Lebenslauf Hitlers bzw. um die Mechanismen der Propaganda und des Faschismus offenbahrt sich der antifaschistische Subtext beider Geschichten.

Darum kann ich mir auch vorstellen, dass eine strikte Verfilmung des Hitler-Romans ebenso erfolgreich sein würde wie der filmgewordene Herr der Ringe. Geschichten wie diese wirken eben nicht aufs Hirn, sondern hauptsächlich aufs Herz. Und das Herz ist leicht zu beeindrucken. Je ekelerregender 'die Bösen' sind, umso leichter fällt es dem Publikum, ihre Vernichtung gutzuheißen.

Dazu passt auch Spinrads Idee vom Hitler, der gut zehn Jahre nach seiner Emigration in die USA vor allem durch Illustrationen für Romane und Science-Fiction-Magazine von sich Reden macht. Denn aufs Herz der Menschen wirken vor allem Bilder, die 'für sich selbst sprechen' und die stets nur Konflikte zwischen Menschen und Monstern/Maschinen abbilden.

Und nun das Geständnis: Ich bin vor allem durch das von Rowena Morrill gestaltete Cover auf dieses Taschenbuch aufmerksam geworden. Wer kann schon einem Gemälde widerstehen, die Hitler zeigt, wie er – gekleidet in schwarzes Leder und mit wehendem blutroten Umhang – auf einem reich verzierten Motorrad thront? Eben.

Mein Lieblings-Seitenhieb dieses Buches findet sich übrigens bereits in Parallel-Hitlers Kurzbiographie:

»Seit der Veröffentlichung des Buches sind die farbenfrohen Uniformen und Embleme, die er in Herr des Hakenkreuzes vor der Welt entstehen ließ, bevorzugte Kostüme bei den traditionellen Karnevalsveranstaltungen im Rahmen des Weltcons geworden.«*

Nehmt das, ihr Trekkies und Star-Wars-Cosplayer!

*[©1981 der deutschen Übersetzung by Heyne Verlag, Übersetzung: Walter Brumm]

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