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Stephen Marlowe (1976)

Die Stadt und der Fluch

Translation

Mir fehlen zwar nicht die Worte, mit denen ich den Einstieg in die Handlung dieses Romans zusammenfassen kann, doch irgendwie ist mir misslungen, sie mit dem positiven Gesamteindruck in Einklang zu bringen, den ich von Die Stadt und der Fluch hatte. Lest selbst:

Seltsam? Aber so habe ich es geschrieben.

All jene, die beim Wort Zigeunerin schon genug über die Story und ihre Klischees zu wissen glauben, werden kopfschüttelnd zum nächsten Horror-Roman greifen.

Vermutlich aber wird die Handlung dieses nächsten Horror-Romans schlechter strukturiert sein und mehr Klischees bedienen, als Marlowes Story um Zigeuner, Hugenotten und ein Ölgemälde.

Marlowe beansprucht die Aufnahmebereitschaft seiner Leser recht stark. Schließlich wird die Geschichte durch Zeitreisen, Okkultismus, Verfluchungen und Erbschuld* überhaupt erst möglich.

Doch auch, wenn all diese Handlungselemente allesamt fürs aufgeklärte Publikum unglaubwürdig sind, ist Die Stadt und der Fluch wirklich spannend.

Um diese Spannung aufrechtzuerhalten, nutzt Marlowe ein von erfolgreichen Autoren des Unheimlichen gern angewandtes Mittel: Seine Charaktere klopfen das Grauen mit modernsten Mitteln ab, können es aber nicht als 'Humbug' entlarven.

Spannung erzeugt Marlowe zusätzlich noch durch die Erzählstruktur.

Etwa ein Drittel der Handlung spielt sich in der Vergangenheit ab: In Tagebucheinträgen, deren einziger Makel ist, dass sie zu ausführlich sind, um 'echt' zu wirken.

Da sich nun aber vergangene Geschehnisse in der Gegenwart wiederholen, verstärken sich die Begebenheiten der Geschichte gegenseitig und maximieren das Leseerlebnis.

Hier bietet sich der Vergleich an zu zwei anderen Romanen. Denn auch in Stephen Kings Es und Peter Straubs Der Hauch des Drachen ergänzen sich Gegenwart und Vergangenheit. Die Autoren sind beinahe so etwas wie Chronisten der 'verwunschenen' Kleinstädte, in denen ihre Charaktere leben.

Marlowe, Straub und King sind aber nicht nur das gleiche Grundthema mit einander ähnelnden Erzählstrukturen angegangen; sie präsentieren dem Leser ebenfalls eine Vielzahl Charaktere.

Warum das gut ist? Nun: In einer typischen Horrorgeschichte gibt es vor allem Opfer, der Bodycount ist teilweise beträchtlich. Nichts ist also logischer, als die Anzahl möglicher Opfer zu erhöhen.

("Wer wird überleben? Und was wird von ihm übrig bleiben?")

Wer nun meint, ich wäre auf einen billigen Horror aus, der irrt. Ich habe es nur nicht gern, von der ersten Seite an zu wissen, wer das Final Girl sein wird.

* Übrigens: Mit Erbschuld meine ich die Rache des Verwünschenden am x-ten Nachfahren des Verwunschenen. Bereits vor dem Ersten Buch Mose wurden Charaktere verflucht und der Glaube an die Wirkung solcher Sprüche hält bis heute an.

Stephen Marlowe hat sich in Die Stadt und der Fluch für eine Abart der klassischen Erbschuld entschieden: Die Bewohner Martinsburgs wissen überhaupt nicht, dass sie allesamt verflucht sind.

Und darum ist es für sie unmöglich, ihr Schicksal abzuwenden.

— — —

Der Vollständigkeit halber erwähne ich zu schlechter Letzt noch einmal, wie ich überhaupt auf diesen Roman gestoßen bin. Also:

Ich durchstöbere, nichts Böses ahnend, die Horrorecke eines Antiquariats; das Regal des Grauens sozusagen. Und welcher Einbandtext sticht mir da ins Hirn? Dieser:

»Stephen Marlowe hat unter dem Pseudonym Stephen King die Horror-Thriller CARRIE – DES SATANS JÜNGSTE TOCHTER und SALEM MUSS BRENNEN geschrieben.«

Mein erster Gedanke: Kings Pseudonym? Salem muss brennen? Was zum Teufel?!

Mein zweiter Gedanke: Das Buch muss ich haben! (Für einen Euro kann man das schon mal machen.)

Hier zeigt sich, dass die Rückentexter des Bastei-Lübbe-Verlages – das Buch erschien 1979 in deren Taschenbuchreihe HORROR-Bibliothek – Erfolg hatten.

Wenn auch nicht ganz so, wie das wohl geplant war. Denn hiermit prangere ich diesen Werbetrick noch einmal öffentlich an. (Willshort-Leser dürften ihn bereits kennen, deutsche Stephen-King-Fans sowieso.)

Mehr noch als der Dummenfang per Buchrücken ärgert mich an dieser »deutschen Lizensausgabe«, dass der Roman nur so überkocht vor falsch gesetzten Zeichen.

Mal fehlt ein Buchstabe, mal wurde statt der schließenden Klammer ein anderes Sonderzeichen gedruckt. Ziemlich schlampig, das Ganze.

Der/Die Vorbesitzer/in des Taschenbuchs war ein größerer Klugscheißer als ich und hat viele Fehler mit Kugelschreiber angestrichen. Zumindest in der ersten Buchhälfte.

Wäre mir meine Zeit nicht zu schade, ich hätte damit weitergemacht und könnte nun diesen auch so schon ellenlangen Artikel mit einer Tabelle abschließen, in der links die Seitenzahl und rechts die Fehler stünden.

Hm… Vielleicht ja im nächsten Leben.

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